Kreativität lernen – Ein Gespräch mit conceito-Mitarbeiterin Katrin Lang über Techniken der Ideenfindung

 

Katrin Lang ist seit Anfang des Jahres Teil des conceito-Teams. Bei uns ist sie sowohl im Bereich Projektmanagement, als auch im Kommunikationsdesign tätig. Neben ihrer Tätigkeit bei uns, doziert sie auch ein Blockseminar über Kreativitätstechniken an der Hochschule Kaiserslautern. Wir Kollegen durften bereits einiges über verschiedene Methoden der Ideenfindung von ihr lernen. In einem Gespräch erzählt sie nun, wie sie zu ihrer Gastdozentenstelle kam, wie Kreativität im Team funktioniert und ob jeder kreativ sein kann.

 

AH: Wie bist du zu deiner Lehrtätigkeit an der Hochschule Kaiserslautern gekommen? Wie lange dozierst du schon dort?

KL: Seit dem Wintersemester 2014 doziere ich das Fach Kreativitäts- und Präsentationstechniken im Fachbereich Informatik und Mikrosystemtechnik im Bachelor-Studiengang Digital Media Marketing (DMM) an der Hochschule Kaiserslautern am Standort Zweibrücken.

Bereits während meines Studiums hatte ich dort auch einen HiWi Job im Bereich AV-Produktion. Die für diesen Bereich verantwortliche Professorin (Frau Prof. Christin) wurde später Leiterin für den Studiengang DMM.

2014, als ich bereits in Karlsruhe in der freien Wirtschaft arbeitete, kam eines Tages ein Anruf mit der Frage, ob ich nicht Zeit und Lust hätte, das Fach Kreativitäts- und Präsentationstechniken als Blockveranstaltung zu unterrichten.

Ich probiere gerne Neues und stelle mich Herausforderungen. So bleibt das Leben stets spannend. Eine Präsentation für drei Vorlesungstage zu erstellen und dann vor einem gefüllten Vorlesungssaal zu unterrichten

war damals schon eine große Herausforderung für mich. Dass die Wahl als Lehrbeauftrage damals auf mich fiel, freut mich daher umso mehr.

 

AH: Was genau hattest du an der Hochschule studiert?

KL: Ich habe dort meinen Bachelor of Science im Studiengang Medieninformatik gemacht. Das entspricht in der Grundform einem Informatikstudium, bietet aber in der Vertiefung die Möglichkeit, sich auf digitale Medien zu spezialisieren.

 

AH: Kommen wir zum Thema Kreativtechniken. Wofür braucht man sie genau?

KL: Kreativitätstechniken sind Methoden zur Förderung von Kreativität und zum Erzeugen neuer (innovativer) Ideen. Sie bieten strukturelle und mentale Hilfe. Sie sollen eine Unterstützung und Hilfe für neue Denkwege sein. Wichtig ist es dabei, in einen Gedanken-/Ideenfluss zu kommen. Den Ideen freien Lauf zu lassen. Und möglichst viele Ideen zu generieren.

Das Zitat von Linus Pauling, Nobelpreisträger der Chemie, trifft es, wie ich finde, ziemlich genau:

„Der beste Weg, gute Ideen zu erhalten, besteht darin, möglichst viele Ideen zu entwickeln.“

 

AH: Kann denn jeder kreativ sein?

KL: Ich bin mir ziemlich sicher, dass jeder kreativ sein kann. Wir erkennen das nur ganz oft einfach nicht und bieten unseren Gedanken nicht den nötigen Raum, um sich frei entfalten zu können.

Ein Großteil unserer Kreativität wird durch die neuen, digitalen Medien blockiert. Sie füllen nahezu jeden Raum aus, in dem unser Gehirn die Möglichkeit hätte, einfach nur zu fließen. Hinzu kommt, dass viele direkt mit Abneigung reagieren, wenn Sie das Wort Kreativität hören. Wie oft bekomme ich den Satz zu hören: „Toll, wie kreativ du bist, ich würde da nie darauf kommen.“ Und schon blockiert man sich.

Für mich ist Kreativität ein Ausdruck unserer selbst. Das Wichtigste ist einfach, sich einen Raum zu schaffen, in dem man seiner individuellen Kreativität freien Lauf lassen kann. Das muss ein Raum sein, eine Atmosphäre, in der es egal ist, was die anderen von einem denken, in der man das Gefühlt hat, alles sagen zu können, was man möchte.

Oft wird Kreativität auch direkt gleichgestellt mit Gestaltung und Kunst. Doch da steckt noch viel mehr drin. Kreativität ist die Fähigkeit, mit offenen Augen und Ohren durchs Leben zu gehen und das aufzunehmen, was einen inspiriert. Denn daraus werden später die kreativen Ideen entwickelt. Das Kreative steckt also nicht nur in der Umsetzung als solche, sondern beginnt bereits viel früher in der Ideenentwicklung. Anwenden kann man diese Ideen dann eigentlich für fast alles.

 

AH: Gibt es Methoden, die du besonders empfehlen kannst?

KL: Insgesamt gibt es ca. 350 etablierte Methoden. Man kann nicht sagen, dass eine davon die perfekte Methode für eine bestimmte Problemstellung ist. Natürlich kann man abwägen, denn manche Methoden eigenen sich tatsächlicher besser für bestimmte Prozesse als andere. Jedoch entscheidet letztendlich eine Vielzahl an Faktoren, welches die richtige Wahl ist. Das kann abhängig sein von Situation, Gruppengröße, Team, gewünschtem Ergebnis, etc.

Einige Methoden, wie z.B. Brainstorming oder Mindmapping, haben sich deutlicher durchgesetzt als andere. Das kann zum einen daran liegen, dass manche Methoden intuitiv in uns verankert sind. Dadurch fällt es uns leichter, mit ihnen zu arbeiten. Zum anderen decken sie ein sehr breites Prozessfeld ab und sind flexibel und ohne viel Aufwand einsetzbar. Andere wiederum benötigen einiges an Vorbereitungszeit und müssen daher gut geplant werden.

Meistens ist es sinnvoll, mehrere Methoden zu nutzen, in Kombination oder nacheinander, um zu einem gezielten und aussagekräftigen Ergebnis zu kommen.

 

AH: Wie würdest du eine Problemstellung mit einem sehr heterogenen Team bearbeiten?

KL: Ich glaube, dass es immer sinnvoll ist, mit heterogenen Teams zu arbeiten, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Wenn die Bedingungen stimmen, können sie durch die Perspektivenvielfalt ein unglaubliches Ideenpotenzial entwickeln. Die Denkweisen jedes Einzelnen verknüpfen sich mit denen der anderen und so entsteht ein völlig eigenes, innovatives Denkmuster. Die Voraussetzung dafür ist, dass die beteiligten Personen rücksichtsvoll und respektvoll miteinander sind, sodass jegliche Konflikte schnell und friedlich ausgeräumt werden können.

In aller Regel kann es in Teams zu Beginn immer zu Reibungen kommen. Jeder hat eine andere Vorstellung davon, was wichtig ist. Genau das birgt auch die Gefahr. Ein heterogenes Team hat zwar die Möglichkeit, Herausragendes zu leisten, aber genauso schnell kann es auch passieren, dass die Kreativität durch Fehlverhalten der Gruppe verloren geht. 

Heterogene Teams brauchen tendenziell länger, um effektiv zusammenzuarbeiten, da erst ein Teamfindungsprozess stattfinden muss. Unterschiede müssen erkannt und eine gemeinsame Basis geschaffen werden. Der Einsatz eines unparteiischen Moderators kann hier oft hilfreich sein. Dieser sollte nicht direkt am Problemlösungsprozess beteiligt sein, sondern versuchen, das Team zusammenzubringen. Das Team muss es dann allerdings alleine schaffen, eine Atmosphäre zu kreieren, in der jeder sich entfalten kann – diejenigen, die eher zurückhaltend und schüchtern sind, sollten von den anderen motiviert werden, während die, die mit aller Gewalt Ihre Meinung durchzusetzen wollen, eher gebremst werden sollten. Nur wenn das gelingt und die Teammitglieder auch bereit sind, das zuzulassen, ist es möglich, das volle Potenzial einer solchen Gruppe auszuschöpfen.

 

AH: Gibt es generelle Verhaltensregeln, die es bei der Anwendung von Kreativitätstechniken im Team zu beachten gibt?

KL: Zunächst einmal hat jede Technik ein eigenes Regelwerk, mit dem man sich vorab auseinandersetzen sollte. Dadurch kann man der Gruppe von Anfang an schon mal einen Rahmen bieten. 

 

Folgende Regeln sollten generell eingehalten werden: 

 

Konstruktivität

Jeder, der im Team einen Beitrag leistet, sollte versuchen, diesen möglichst konstruktiv und lösungsorientiert einzubringen. Nur wenn alle gemeinsam konzentriert auf das Ziel hinarbeiten, kann am Ende ein gutes Ergebnis rauskommen.

Im Gegenzug dazu gilt auch, jeden Beitrag von anderen als konstruktiv zu werten, auch wenn man selbst vielleicht nicht dieser Meinung ist.

Konkretheit

Jeder Beitrag sollte so konkret wie möglich sein. Keine langen Abschweifungen und Ausschmückungen. Direkt, verständlich und klar.

Parkplatz

Kein Platz für Diskussionen. Themen, die anfangen zu viel Zeit in Anspruch zu nehmen, sollten beiseitegelegt werden, wenn nicht absehbar ist, dass sie zeitnah zu einem Ergebnis führen. Bei Bedarf kann zu einem späteren Zeitpunkt auf diese Themen zurückgegriffen werden.

Aufmerksamkeit

Jeder sollte stets aufmerksam am Prozess teilnehmen und sich nicht durch äußere Einwirkungen, wie z.B. Smartphones, ablenken lassen. Gibt es solche Probleme in der Gruppe, sollte man in der Gruppe besprechen, wie mit dem Problem umgegangen wird.

 

AH: Wie oft und für was wendest du selbst diese Techniken an?

KL: Sehr häufig wende ich die Pinnwandmoderation als Technik an. Dabei können auf verschiedene Weise Begriffe zu den zuvor definierten Fragen gesammelt werden. Fragen oder Problemstellungen lassen sich damit sehr leicht in der Gruppe bearbeiten und man bekommt direkt ein Gefühl, in welche Richtung das Ergebnis geht.

Man kann Kreativitätstechniken aber natürlich nicht nur in Gruppen anwenden. Es kann auch hilfreich sein, wenn man sie als Einzelperson verwendet. Brainwriting nutze ich sehr oft und eher unbewusst, wenn ich mir über etwas Gedanken mache und erste Stichpunkte notiere.

 

Vielen Dank Katrin für diese Einblicke in die Welt der geführten Kreativität. Wir freuen uns schon auf die nächste Pinnwandmoderation mit dir!